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Clausthal, den 11. März 1869.

In Ihrem Jahrbuch 1868, p. 98 war meiner ersten grösseren Arbeit "über die Erzgänge des nordwestlichen Oberharzes" gedacht. – In dem Auszuge ist besonders auf die Resultate über die Paragenesis der Erze Rücksicht genommen, über die Beobachtung, dass durch die Gangspalten das Ne-

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bengestein bedeutend verworfen, ist dagegen geschwiegen; eine solche Verwerfung ist ja auch kein für die Wissenschaft neues Factum. – Für die geognostische Kenntnis des Harzes und für die Genesis der hiesigen Gänge scheint mir aber die Beobachtung sehr wichtig.
Vor mir hat es keiner ausgesprochen, dass die hiesigen Gänge die Gebirgsschichten verwerfen und es waren auch umfangreiche Untersuchungen an vielen Stellen, viele Grubenfahrten und genaues Verfolgen der Gesteine Schritt vor Schritt nöthig, um zu dem Resultat zu gelangen.
Nun lese ich in einer Inaugural-Dissertation "über die Gangthonschiefer in den Erzgängen des nordwestlichen Oberharzes (1868)" vom Bergingenieur Herrn Curt Gericke, p. 73, folgenden Satz: "Resumiren wir noch kurz die Resultate der vorliegenden Arbeit, so stellen sich dieselben, wie folgt: Die Entstehung der Erzgänge des nordwestlichen Oberharzes ist hervorgerufen durch grossartige Verwerfungen der Gebirgsschichten etc."
In meiner Arbeit (1867) p. 85 ist zu lesen: "Der Nachweis bedeutender Verwerfungen des Nebengesteins bei der Gangspaltenbildung in einem Gebirge, älter als das productive Kohlengebirge, ist, soviel mir bekannt, hier zum ersten Mal geführt." – Herr Gericke, der auf meine Veranlassung hier in Clausthal die chemische Untersuchung der hiesigen Ganggesteine unternommen hat und mit mir deswegen öfters in persönlichen Verkehr getreten ist, citirt meine Arbeit an mehreren Stellen seiner Dissertation, nur wenn von der Verwerfung durch die Gangspalten die Rede ist, citiert er mich nicht.
Herr Gericke geht bei seiner Theorie der Entstehung der schwarzen Gangthonschiefer von der Beobachtung der Verwerfung der Gebirgsschichten ebenso aus, wie ich es bereits gethan habe. – Der Vergleich der p. 34 und 42 meiner Arbeit mit p. 68 der Arbeit des Herrn Gericke erweist diess. – Das ist entschieden Plagiat.
Wenn nun Herr Gericke in mehreren Puncten von meiner Theorie der Entstehung der schwarzen Gangthonschiefer abweicht, nämlich in Bezug auf die Zerkleinerung des Materials, den Einfluss des Wassers und kohliger Substanzen bei der Bildung, so ist hier nicht der Ort, näher darauf einzugehen, und behalte ich mir spätere Erörterungen darüber vor.
Übrigens ist die Arbeit ein sehr wichtiger Beitrag für die Kenntnis der hiesigen Gänge, da sie vergleichende Analysen der hiesigen Ganggesteine liefert.

A. v. Groddeck.



Dissertationen:


Anmerkungen:

  1. Bemerkenswert am Text Albrecht von Groddecks (1837-1887) erscheint, dass sein Plagiatsvorwurf zu einem für Groddeck wichtigen Aspekt eine abschließende Charakterisierung der Arbeit Gerickes als einen thematisch durchaus "sehr wichtigen Beitrag" nicht ausschloss.
  2. Da beide Arbeiten als Digitalisate online verfügbar sind, ist es direkt möglich, die angegebenen Seiten zu vergleichen und sich zu von Groddecks Plagiatsvorwurf eine eigene Meinung zu bilden:

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